1. 10. 2014 Mama Massai war da!

Echt Pech für jeden, der nicht dabei sein konnte!! Denn es war ein wirkliches Erlebnis, Angelika Wohlenberg-Kinsey zuzuhören. Mit Gitarre und vielen Bildern erzählte sie einem gebannt lauschenden Publikum in unserer Epiphaniaskirche von ihrer spannenden Arbeit bei den Massai in Tansania. Die „Sister“ ist wahrhaft ein echtes Erzähltalent und ein Energiebündel, was man auch daran sehen kann, dass sie am selben Tag auch im Kindergarten, in der Schule und in der Konfigruppe gesprochen und Puppentheater gespielt hat – mit ebenso großer Wirkung. Nach der Veranstaltung in der Epiphaniaskirche wunderte sich ein Besucher: „Wie kann diese Frau fast zwei Stunden ohne Punkt und Komma reden - und dann auch noch SO!?“ Die Antwort ist simpel: es sprudelt einfach aus ihr heraus, denn: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über (Mt 12,34f).

Angelika Wohlenberg – die auch als "Mama Massai" bekannt ist und sich in Tansania, wo sie seit 1983 lebt, als ausgebildete Krankenschwester und Hebamme und als Missionarin für das Steppenvolk der Massai einsetzt – hat es geschafft, jedem eindrücklich zu vermitteln, wie anders das Leben in Tansania und wie wichtig und sinnvoll unsere Hilfe für die Menschen dort ist. Und wie wichtig der Glaube ist, nicht nur in Tansania, sondern auch in unserem eigenen Alltag hier in Deutschland. So war bei den Geschichten, die sie aus ihrem Leben erzählte, auch immer irgendwie Jesus im Spiel. Wie zum Beispiel bei der Sache mit dem steckengebliebenen LandRover.

Aus dem Leben gegriffen

Die Straßen in Tansania sind zum großen Teil unbefestigt. Und es gibt immer wieder Stellen, wo man einfach stecken bleiben kann – besonders in der Regenzeit. Deshalb hat Angelika Wohlenberg auf ihrem vierradgetriebenen "Dienstfahrzeug" auch eine Seilwinde fest installiert. Sie erzählte von einer Begebenheit, als sie in einem Schlammloch festsaß. Sie rollte das Seil aus und band es um einen Baum. Als sie losfahren wollte, zog sie aber mit der Seilwinde einfach nur den Baum aus dem Boden und saß weiterhin fest. Also suchte sie sich einen anderen, stärkeren Baum - und kam mit der Seilwinde langsam, Zentimeter für Zentimeter, aus dem Schlammloch frei.

Wo kommt in dieser Geschichte Jesus vor? Er ist der starke Halt in deinem Leben, an dem du dich festhalten kannst und der dich aus dem tiefsten Dreck zieht!

In Tansania findet die medizinische Versorgung auf einfachste Weise statt. So wurde z.B. früher bei Grauem Star anstelle einer komplizierten Korrektur-Operation einfach die trübe Linse entfernt und dem Patienten eine Brille verschrieben. Angelika Wohlenberg erzählte von einer älteren Patientin, die sich nach anfänglicher Begeisterung bei einem der zahlreichen Krankenbesuche über die wohl misslungene Behandlung beschwerte, denn sie sehe immer weniger. "Mama Massai" ließ sich die Brille geben, putzte sie an ihrer Bluse ab und gab sie der Frau zurück – und die konnte nun wieder klar und deutlich sehen.

Was hat das mit Jesus zu tun? Mit Jesus hast du in deinem Leben immer den richtigen Durchblick!

Als Angelika Wohlenberg einmal nachts zu Fuß unterwegs war, sah sie vor sich vier rötliche Lichter. „Nanu, vier Fahrräder hier mitten in der Steppe, und um diese Zeit?“ dachte sie. Wie es sich herausstellte, waren es aber zwei Löwen. Sie musste an die Geschichte von Daniel in der Löwengrube denken (Dan 6,17ff) und betete um eine ebensolche Bewahrung vor diesen Tieren. Danach lief sie langsam und unbehelligt an ihnen vorbei …

Angelika Wohlenberg erzählte noch eine ganze Menge dieser Geschichten. Dabei ließ sie immer wieder durchblicken, dass es ihre Aufgabe und Berufung ist, den Menschen in der Massai-Steppe in allen Lebensbereichen zu helfen - und dass sie dabei viele Wunder und Hilfen Gottes erfahren hat.

Medizinische Versorgung

Hygiene ist für die Massai ein Fremdwort. Deshalb sterben vor allem Kinder häufig an Durchfall; Malaria und Augenkrankheiten gehören zu den weiteren „Plagen“, die im Massai-Land häufig vorkommen und die die „Sister“, wie sie ebenso respekt- wie liebevoll genannt wird, unter uns primitiv erscheinenden Umständen nach besten Kräften behandelt oder durch Aufklärung oder Impfprogramme zu verhindern sucht. Um ihre Patienten und Patientinnen in den weit verstreuten Dörfern zu besuchen, ist sie oft tagelang unterwegs und von morgens bis abends im Einsatz.

Bildung

Die Massai sind größtenteils Analphabeten und haben es als Halbnomaden in einer sich ändernden Welt sehr schwer. Deshalb liegt Angelika Wohlenberg sehr viel daran, dass die Kinder eine gute Schulausbildung erhalten. Es genügt aber nicht, nur eine Schule zu bauen und für Unterrichtsmittel und qualifiziertes Lehrpersonal zu sorgen. Es bedurfte einer großen Überzeugungsarbeit, damit die Massai ihren Söhnen und vor allem Töchtern überhaupt erlauben, eine Schule zu besuchen, denn sie fehlen dann ja als Arbeitskraft. Dabei nehmen die Kinder oft stundenlange Fußmärsche auf sich, um von ihrem Dorf zur Schule zu kommen. Inzwischen ist die Schule in Malambo (s.u.) aber nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Eltern sehr angesehen, denn es hat sich herumgesprochen, dass Bildung eine lohnende Investition in die Zukunft ist.

Eine große Hilfe ist in diesem Zusammenhang der Verein Hilfe für die Massai, der 1997 gegründet wurde. Für die meisten Kinder wäre wegen der fehlenden finanziellen Mittel der Eltern ein Schulbesuch nicht möglich. Der Verein finanziert u.a. Schulgebäude, Lehrpersonal, Unterrichtsmaterial und Schulspeisung. Angelika Wohlenberg erzählte von der englischsprachigen privaten Grundschule, die 2005 in Malambo – einem Dorf mitten in der Steppe – eröffnet wurde. Jedes Jahr wurde ein neues Klassenzimmer dazu gebaut, bis letztes Jahr die Endausbaustufe erreicht wurde. Nun wurde eine Versammlungshalle, die Schutz vor der Sonne und den teilweise heftigen Windböen mit Staub und Sand bietet, eingeweiht. Seit einigen Monaten hat die Schule auch große Wassertanks (100.000 l Fassungsvermögen) und eine Filteranlage zur Gewinnung von sauberem Trinkwasser – in einem Gebiet, das immer wieder unter Wassermangel und schlechter Wasserqualität leidet, eine absolute Ausnahme. Das alles wird, ebenso wie das Mädcheninternat am Rande der Großstadt Arusha, ausschließlich durch Spenden und Patenschaften getragen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Um den Spagat zwischen Tradition und Moderne zu bewältigen, benötigen die Massai in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe. Mama Massai zeigte uns drei Beispiele. Mit Hilfe von Freiwilligen wurde ein Backofen gebaut; eine Massai-Frau backt darin Brot und Brötchen und verkauft diese auf dem Markt. Eine andere Massai-Frau bekam eine Nähmaschine und einen Nähkurs und näht nun Schuluniformen. Auf einem Massai-Haus wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert; die Besitzerin kann nun mit einem Lademodul (und unzähligen Adaptern) Handys aufladen (schon richtig gelesen – in der Steppe gibt es tatsächlich eine ganze Menge Handys, und inzwischen manchmal auch Empfang ...)

Die Gute Nachricht

Für die Pfarrerstochter Angelika Wohlenberg, deren Großvater Missionar war, gehört es zu den selbstverständlichsten Aufgaben, den Massai die Botschaft von Jesus Christus weiterzusagen. Das war nicht immer einfach. Als Frau in einer Männergesellschaft stieß sie an viele Grenzen. Frauen wurden verachtet und als Besitz betrachtet. Oft musste sie Gott darum bitten, ihr doch Liebe zu den Männern zu schenken, denen sie ja auch das Evangelium bringen wollte.

Inzwischen sind tatsächlich viele Massai Christen geworden, Männer wie Frauen. Für sie war es etwas ganz Neues, dass es nach dem Tod weitergeht, dass Jesus lebt und auch ihnen ewiges Leben schenken will – und dass das Konsequenzen hat. Das kann man auch im Alltag bemerken, erzählt Mama Massai auf eine entsprechende Frage. Die Männer schlagen ihre Frauen nicht mehr, sie helfen ihnen und respektieren sie; die Töchter werden nicht mehr beschnitten und dürfen zur Schule gehen. Die jungen Männer sehen es nicht mehr als selbstverständlich an, dass sie Mädchen zum Sex zwingen dürfen. Oder Kühe stehlen dürfen. Und, so fügt die „Sister“ mit einem Augenzwinkern hinzu, im Gottesdienst können auch die Männer plötzlich singen …

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Lebenslauf (07.11.2013): Die wilde Heilige der Massai  dieser Artikel ist leider nicht mehr online; man kann aber hier das gedruckte Heft erwerben

Berliner Kurier (25.02.2007): Mama Massai

jesus.ch: Was Angelika Wohlenberg in die Steppe Afrikas verschlug

Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag (03.05.2011): „Mama Massai“ hat geheiratet 

Hilfe für die Massai

Homepage Hilfe für die Massai e.V.

Rundbrief Juni 2014 (A39)

Rundbrief Dezember 2013 (A38)

Rundbrief Dezember 2012 (A36)

Rundbrief August 2012 (A35)

Ziele und Projekte – Stand Januar 2009

Medizinische Notversorgung Tansania (MNT)

Bücher

Hanna Schott, Mama Massai. Angelika Wohlenberg - die wilde Heilige der Steppe. Brunnen Verlag, 4. Aufl. 2008

Hanna Schott, Steppenkinder: Ein Wiedersehen mit Mama Massai. Brunnen Verlag, 2008

Hanna Schott, Tuso: Eine wahre Geschichte aus Afrika. Klett Kinderbuch 2009